Das Wichtigste zusammengefasst
- Bevor Sie Ihr Balkonkraftwerk anschließen, sollten Sie sichergehen, dass das von Ihnen gewählte Modell die geltenden Sicherheitsstandards erfüllt. Zudem sollten Sie sich vergewissern, dass Ihr Hausnetz auf eine Stromeinspeisung ausgelegt ist.
- Die Montage eines Balkonkraftwerks darf unter gewissen Umständen auch von Laien durchgeführt werden.
- Mini-PV-Anlagen dürfen mittels eines herkömmlichen Schuko-Steckers oder eines Wieland-Steckers mit dem Stromnetz verbunden werden.
- Wieland-Stecker bieten eine höhere Sicherheit, dürfen aber nur von qualifizierten Fachkräften angeschlossen werden.
- Falls Sie Bedenken bezüglich der Sicherheit haben, sollten Sie Ihr Balkonkraftwerk unbedingt durch einen Fachbetrieb anschließen lassen.
Voraussetzungen und Sicherheit
Kategorie | Details |
Tragfähigkeit | Balkon oder Dachfläche mindestens 20 kg/m² belastbar |
Elektrische Leitungen | Belastbarkeit für Einspeisung prüfen (min. 800 Watt geeignet) |
Vermieterzustimmung | Schriftliche Zustimmung notwendig (bei Mietwohnungen) |
Anmeldung | Marktstammdatenregister innerhalb eines Monats nach Installation |
Tabelle: Übersicht der technischen und rechtlichen Voraussetzungen.
Bevor Sie mit Ihrem Balkonkraftwerk selbstständig Strom produzieren und im Haushalt verbrauchen können, müssen Sie einige wichtige Vorbereitungen treffen. Zunächst sollten Sie sicherstellen, dass Ihre geplante Installation die geltenden Sicherheitsstandards und technischen Voraussetzungen erfüllt.
Dazu muss gewährleistet sein, dass Ihr Balkon bzw. die geplante Installationsfläche ausreichend tragfähig ist, um das Gewicht der Solarmodule inkl. Halterung statisch aufnehmen zu können. Ebenso sollte geprüft werden, ob die elektrischen Leitungen Ihres Hauses für die zusätzliche Beanspruchung durch die Stromeinspeisung geeignet sind. Falls erforderlich, benötigen Sie zudem eine Genehmigung Ihres Vermieters.
Sind alle Bedingungen erfüllt, können Sie Ihr Balkonkraftwerk anschließen. Innerhalb des ersten Monats nach der Inbetriebnahme ist außerdem eine Anmeldung im Marktstammdatenregister notwendig. Die Anmeldepflicht beim Netzbetreiber entfällt seit Mai 2024.
Hinweis: Eine Registrierungshilfe auf der Seite des Marktstammdatenregisters finden sie hier: https://www.marktstammdatenregister.de/mastrhilfe/files/regHilfen/Registrierungshilfe_Balkonkraftwerk.pdf
Sicherheitsstandards und Fehlerstromschutzschalter (FI)
Vor der Anschaffung eines Balkonkraftwerks sollten Sie sicherstellen, dass die Stromverteilung in Ihrem Hausnetz auf die Einspeisung von Solarstrom ausgelegt ist. Der VDE empfiehlt, den Stromkreis durch eine Elektrofachkraft überprüfen zu lassen.
Gegebenenfalls kann es notwendig sein, Sicherungen auszutauschen oder das Stromnetz mit einem Schutzschalter auszustatten. Für eine möglichst sichere Inbetriebnahme empfiehlt sich die Verwendung eines Fehlerstromschutzschalters (FI). Dabei ist darauf zu achten, dass der FI-Schutzschalter den Anforderungen des Systems entspricht. Für die meisten Balkonkraftwerke ist ein FI-Schalter des Typs A ausreichend, während bei speziellen Wechselrichtertypen, insbesondere bei transformatorlosen Geräten, ein Typ-B-Schalter erforderlich sein kann. Eine Elektrofachkraft kann hierzu beraten.
Zudem ist möglicherweise ein Austausch des Stromzählers erforderlich. Nach dem Solarpaket 1 dürfen Stromzähler ohne Rücklaufsperre übergangsweise bis zu vier Monate verwendet werden und müssen vor Ablauf dieser Frist ausgetauscht werden.
Produktauswahl
Bei der Auswahl eines Balkonkraftwerks ist es entscheidend, ausschließlich hochwertige Produkte zu verwenden, die die geltenden Sicherheitsnormen erfüllen. Beim Kauf sollten Sie auf eine CE-Zertifizierung, ein NA-Schutzzertifikat und Hinweise auf VDE-Normen achten. Der Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz) ist im Wechselrichter verbaut und sorgt für eine sofortige Trennung des Geräts vom Stromkreislauf, sobald Spannungsschwankungen auftreten. Dadurch wird das Risiko eines elektrischen Schlags minimiert. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich die Verwendung fingersicherer Steckdosen, die über einen Fingerschutz über den Kontakten verfügen.
Leistungsgrenzen
Beim Kauf eines Balkonkraftwerks sollten Sie die gesetzlichen Leistungsgrenzen beachten. Aktuell sind in Deutschland Mini-Solaranlagen mit einer maximalen Einspeiseleistung von 800 Watt erlaubt. Diese wird durch die maximale Leistung des Wechselrichters reglementiert, wodurch nicht mehr als 800W in das Netz über die Steckdose eingespeist werden können. Die verwendeten Solarpanels dürfen dagegen eine maximale Gesamtleistung von 2000 Watt haben. Aktuell gibt es jedoch keine abschließende VDE-Produktnorm für Balkonkraftwerke.
Die richtigen Komponenten auswählen
Ein Balkonkraftwerk besteht aus einem oder mehreren Solarmodulen, einem Wechselrichter, einem Anschlusskabel mit Stecker und einer Aufständerung beziehungsweise Halterung. Bei der Auswahl der einzelnen Komponenten sollten Sie nicht nur auf deren Qualität, sondern auch auf eine gute Kompatibilität achten.
Wechselrichter und Steckverbindungen
Dank des Solarpakets 1 ist es seit Mai 2024 erlaubt, mit einem Balkonkraftwerk nun bis zu 800W ins Hausnetz einzuspeisen, statt wie zuvor maximal 600W. Bereits vor dieser Gesetzesänderung waren Mikrowechselrichter beliebt, die trotz höherer Leistungsfähigkeit auf 600 Watt gedrosselt werden konnten. Mittlerweile ist es erlaubt, die Drosselung auf eine Leistung von 800 Watt anzuheben. Der Wechselrichter wird über ein Anschlusskabel sowohl mit den Solarmodulen als auch mit der Steckdose verbunden.
Steckertypen
Aktuell dürfen Balkonkraftwerke sowohl mit Wieland-Steckdosen als auch mit herkömmlichen Schuko-Steckdosen verwendet werden. Es hängt also von Ihnen ab, für welche Anschlussvariante und welchen Steckertyp Sie sich entscheiden. Der VDE empfiehlt aus Sicherheitsgründen die Verwendung eines Wieland-Steckers mit Berührungsschutz. Dieser ist jedoch mit höheren Anschaffungs- und Installationskosten verbunden und darf nur von autorisiertem Fachpersonal eingebaut werden.
Ein herkömmlicher Schuko-Stecker ist dagegen weniger robust und enthält keinen Kontaktschutz, ist aber kostengünstiger und darf selbstständig angeschlossen werden. Allerdings besteht bei der Nutzung von Schuko-Steckern ein erhöhtes Risiko von Überhitzung oder sogar Brandgefahr, insbesondere wenn die Steckdose nicht für eine Dauerlast von bis zu 800 Watt ausgelegt ist. Es wird daher empfohlen, die Eignung der verwendeten Steckdose vorher durch eine Fachkraft überprüfen zu lassen.
Wird ein Schuko-Stecker verwendet, so muss das Steckersolar-Gerät über einen speziellen Wechselrichter verfügen, der dem DGS-Sicherheitsstandard oder der zukünftigen Produktnorm VDE 0126-95 entspricht. Hiermit wird eine ausreichend schnelle Abschaltung sichergestellt, wenn der Stecker versehentlich gezogen würde.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Anschließen
Sobald Sie eine Mini-Solaranlage ausgewählt haben, können Sie die Installation genauer planen. Zunächst sollten Sie sich für einen Standort und eine sinnvolle Ausrichtung der Module entscheiden. Es empfiehlt sich, einen Anschlussplan aufzustellen.
Vermieterzustimmung
Falls Sie in einer Mietwohnung wohnen, ist vor der Inbetriebnahme ein weiterer Schritt notwendig: Bevor Sie das Balkonkraftwerk an die Verteilerdose anschließen, müssen Sie die schriftliche Zustimmung der Hauseigentümer einholen. Dank neuer Gesetzesänderungen dürfen diese die Montage nur noch aus triftigen Gründen, beispielsweise bei ernsthaften Sicherheitsbedenken oder bestehenden Denkmalschutzauflagen, verbieten. Bei einer Verweigerung ohne solche Gründe haben Sie die Möglichkeit, gerichtlichen Einspruch einzulegen.
Anschluss an das Hausnetz
Bei der Installation Ihres Balkonkraftwerks sollten Sie die beiliegende Gebrauchsanweisung genau beachten. In der Regel ist es nötig, die Solarmodule zunächst sicher am gewählten Ort zu befestigen und die Wechselrichter-Halterung an einem Solarmodul festzuschrauben. Anschließend können Sie die Verkabelung der Solarmodule mit dem Wechselrichter verbinden. Sobald alle Komponenten fest montiert sind, können Sie den Wechselrichter mittels Anschlusskabel und Einspeisesteckdose mit dem Hausnetz verbinden. Bei Verwendung eines Wieland-Steckers müssen Sie hierzu eine Fachkraft beauftragen.
Fehlersuche und Wartung
Für eine lange Lebensdauer und die Aufrechterhaltung der gewünschten Leistung ist es entscheidend, dass Sie Ihr Balkonkraftwerk regelmäßig warten und pflegen.
Prüfung der Steckdosen und Leitungen
Um die Sicherheit Ihres Balkonkraftwerks zu gewährleisten, sollten Sie die Steckverbindungen und Kabel regelmäßig auf mögliche Überlastungen überprüfen. Achten Sie dabei auf Überhitzung, Fehlermeldungen, Wackelkontakte oder ungewöhnliche Geräusche.
Bei der Sichtprüfung sollten Sie besonders darauf achten, ob Kabelisolierungen beschädigt sind, sich Steckverbindungen gelockert haben oder Verschmutzungen die Funktionsweise beeinträchtigen. Falls Beschädigungen festgestellt werden, sollte die Anlage sofort abgeschaltet und eine Fachkraft hinzugezogen werden.
Tipp: Für den sicheren Betrieb sollte nur ein Balkonkraftwerk pro Stromkreis angeschlossen werden. Ferner ist es zu empfehlen, auf die Verwendung von Mehrfachsteckdosen zu verzichten und das Balkonkraftwerk direkt über eine fest installierte Steckdose mit dem Netz zu verbinden.
Viele moderne Anlagen verfügen zudem über Überwachungssysteme oder Apps, die eine Überprüfung verschiedener Parameter in Echtzeit ermöglichen. So können Sie Schwankungen in der Leistung und mögliche Überlastungen frühzeitig erkennen und beheben. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt sich zudem die Installation eines Fehlerstromschutzschalters (FI-Schalter). Ausführliche Informationen hierzu finden Sie weiter oben im Abschnitt Sicherheitsstandards und Fehlerstromschutzschalter.
Empfohlene Wartungsschritte
Für eine langfristige Effizienz ist eine ordnungsgemäße Wartung und Pflege aller Komponenten Ihres Balkonkraftwerks essenziell. Dank einer regelmäßigen Sichtprüfung der Module, der Halterung und aller anderen Bestandteile können Sie im Zweifelsfall rechtzeitig eine Fachkraft kontaktieren und eventuelle Schäden beheben lassen.
Neben einer selbstständigen Sichtkontrolle ist es ratsam, etwa einmal jährlich eine professionelle Kontrolle durchführen zu lassen. Da Verschmutzungen der Solarmodule die Effizienz der gesamten Solaranlage beeinträchtigen können, sollten die Module im Abstand von drei bis sechs Monaten schonend gereinigt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Aus gesetzlicher Sicht ist es erlaubt, ein Balkonkraftwerk über einen Schuko-Stecker anzuschließen. In diesem Fall darf der Anschluss auch von Laien durchgeführt werden. Der VDE empfiehlt aus Sicherheitsgründen jedoch die Verwendung eines Wieland-Steckers, welcher jedoch den Anschluss durch eine Elektrofachkraft bedarf
Aus technischer Sicht ist es möglich, ein Balkonkraftwerk an einen 3-Phasen-Wechselrichter anzuschließen. Da die Leistung eines 1-phasigen Wechselrichters für Mini-PV-Anlagen aufgrund der Einspeisegrenze von 800 Watt ausreicht, ist dies jedoch meist die ökonomisch sinnvollere Anschlussvariante.